Vereinsgeschichte

Liebe Motorsportfreunde,
hier wollen wir Euch einen Einblick in unsere Geschichte ermöglichen. Zu dem Zweck machen wir jetzt einen Zeitsprung in das Jahr 1948…

Am 25.Mai 1948 trafen sich eine Handvoll motorsportbegeisterter junger Männer – die  meisten kannten sich bereits vom Sehen – im Cafe Weiss in Klafeld. Den Ort Klafeld kennt man heute als Geisweid. Erwin Schreiber, Robert Malinowski, Karl-Otto Haas, Egon Landvogt, Gerhard Dietrich, „Gollo“ Römer, Werner Heinbach sowie Gustav Betz, Werner Nüsse und „Brauns Jerry“ waren ebenso dabei wie einige andere, deren Namen in keinem Protokoll festgehalten sind.

Diese Männer gründeten am besagten Tag den Motorsport-Club-Siegerland. Die Aufnahmegebühr betrug 1948 DM 1,50, der Monatsbeitrag DM 1,00. Zum Club gehörten auch die Ortsvereine aus Kreuztal, Weidenau, Neunkirchen und aus dem Johannland.

Werner Heinbach wurde zum ersten Vorsitzenden des Clubs bestimmt. In kürzester Zeit kamen weitere Leute dazu: Zu diesen Männern der „ersten Stunde“ zählen auch Walter Schneider, Rudi Kreutz und unser Ehrenmitglied Ernst Reissmann. Alle drei sind auch heute noch dem Club treu. Rudi Kreutz ist sogar noch aktiv und hält unsere Flagge bei Orientierungsfahrten der Spitzenklasse hoch.

Die Ziele des Vereins waren klar:
Motorsport ausüben und erleben – viel Spaß im und um den sportlichen Wettbewerb haben – Kameradschaft pflegen – schlicht etwas anderes erleben als nur die Pflichten der bitteren Jahre des Wiederaufbaus zu füllen. Deutschland erhob sich gerade erst wieder nach dem  verlorenen Krieg – Fahrzeuge auf den heimischen Straßen waren hauptsächlich Lieferwagen und dienten hauptsächlich dem Selbstzweck.

Das Verkehrsmittel des Volkes war das Fahrrad, einige wenige bewältigten den Weg zur täglichen Arbeit mit Motorrädern- PKW waren selten und standen meist nur privilegierten zur Verfügung. Wer konnte, bastelte sich ein Vorkriegsfahrzeug zurecht und hatte gleich das nächste Problem zu bewältigen!
Woher Sprit nehmen? Der rare Treibstoff war rationiert und teuer. Motorräder waren die ersten Sportgeräte der MSC-ler.

Man unternahm die ersten motorsportlichen Gehversuche. Sternfahrten und Zielfahrten waren die Einstiegsdroge. Erinnert sei nur an die Prüfungsfahrt „Flecker Wald“ und an die Fahrt „Rund ums Höchst“ im freien Grund. Zündapp, NSU OSL und Max , DKW, Adler, BMW und Horex waren die gebräuchlichen Marken- viele ähnelten aber auf Grund der erforderlichen Improvisationskünste noch mehr Eigenbaukonstruktionen. So auch die 1936er Zündapp mit 200Kubik und dem sogenannten „Zahnbürstenantrieb“, die Ernst Reissmann 1951 den Titel des ersten Clubmeisters einbrachte.

Der Clubvorsitz wechselte zwischenzeitlich: Ferdinand Grab übernahm das Amt bis 1956. Sein Nachfolger blieb bis Anfang der sechziger Jahre: Dr. Günther Reimpell.

Bis in die Mitte der fünfziger Jahre wurden dann auch Bergrennen gefahren:
Auf die „Hohe Bracht“ ging es, oder in Dreis-Tiefenbach wurde so ganz einfach eine Straße gesperrt und schon ging es den Berg hinauf.

Die ersten Rundrennen, die für heutige Maßstäbe riesige Zuschauermengen anzog, gab es auch bereits: Battenberg, Dieburger Dreieck, Feldberg, Bremer Haven, Neuwied und Schottenring waren die historischen Schauplätze. Walter Schneider mit „Schmiermaxe“ Werner Nüsse fuhren ein Nortongespann, das aufstrebende Nachwuchsteam Rolf Amfaldern und Jupp Knebel war dabei, der Johannländer Vinzenz Jung hatte eine NSU, Dieter Falk startete mit einer Adler und auch Karl Starke bestritt auf Puch und Mondial schon Straßenrennen. Siegfried Schauzu absolvierte erste Geschicklichkeitsturniere mit einem Moped… und auch Manni Diezemann, Gerd Weissgerber, Rudi Kreutz, Ernst Reissmann, Frieder Bock, Dieter Krebs, Bodo Knipp und Klaus Fries waren aktiv.

Im Jahr 1954 trauerte der Verein um einen seiner Hoffnungsträger: Jupp Knebel aus Flape, der vor einer großen Karriere stand, verstarb in Ausübung seines Sportes bei einem schweren Unfall im holländischen Assen.

1956 wurde der Freudenberger Dieter Falk mit einer 250er Adler deutscher Motorrad Straßenmeister! Dies war der erste ganz bedeutende Titel in der großartigen Erfolgsbilanz der Aktiven des MSC Siegerland.

Der Verein hatte rund 80 Mitglieder, von denen 15- 20 regelmäßig Wettbewerbe bestritten.
Ganz stark war der MSC in dieser Zeit mit seiner Motoball-Mannschaft: Rudi Kreutz, Hans Georg Fries, Dieter Krebs, Herbert Brieger, Hans Kölsch und Otto Götz zählten dazu. Heimspiele wurden auf dem Charlottenplatz bestritten. Um die DMV-Meisterschaft wurde im gesamten Bundesgebiet gespielt.

Stichwort DMV:
Von Anbeginn gehörte der MSC Siegerland dem Deutschen- Motorsport- Verband an.
Am 16. Januar 1955 wurde der bisherige MSC Siegerland, der mittlerweile 210 Mitglieder hatte, bei einer Versammlung im Siegener Handwerkerhaus aufgelöst. Es entstanden mehrere selbstständige Ortsclubs und es entstand als neuer Verbund dieser Clubs die Landesgruppe Westfalen-Süd des DMV.

Diese Versammlung in Siegen war ein großes Ereignis. Bürgermeister Bach war der Schirmherr. DMV Präsident Toni Ulmen war ebenso anwesend wie die Rennsportlegende Hein Thorn-Prikker sowie die Seitenwagen-Weltmeister Wilhelm Noll und Fritz Cron, die Privatfahrer Walter Schneider und Hans Strauß und der bekannte Fachjournalist Ernst Leverkus- besser bekannt unter seinem Spitznamen „Klacks“.

Der MSC wurde zur tragenden Säule der Landesgruppe. Fritz Fries jr. wurde einstimmig zum ersten Vorsitzenden gewählt.

Zur JHV des DMV in Bad Königstein reisten damals übrigens die Vorstandsvertreter des Vereins auf der Ladefläche eines DKW-LKW nach Bad Königstein- im Gepäck waren in den Fünfzigern noch Lebensmittelmarken, sonst war die Verpflegung am Tagungsort nicht sichergestellt.

Stichwort 50er Jahre:
Unbedingt erwähnt werden müssen in dieser Epoche noch die Seifenkistenrennen, die der Club veranstaltete. In Zusammenarbeit mit der Firma Hoppmann- Opel hatte damals wie heute die Patenschaft über den Seifenkistensport- wurde das Ganze 1957 als Riesensache aufgezogen.

Die Presse titelte damals: „20000 Zuschauer bei Seifenkistenrennen auf dem Giersberg“
Später fuhren die seltsam ratternden Kisten mit ihren verwegenen Fahrern- immerhin liefen die Dinger bis zu 60km/h- auch die Wenscht in Geisweid hinab. Roland Starke und Ernst-Dieter Klotzek waren noch Schulbuben, aber sie waren trotzdem schon als Fahrer dabei.
Man sieht also- bereits in den Anfangsjahren war der MSC Siegerland rege tätig und die Liste der Erfolge war lang.

Und einer aus unseren Reihen verbuchte Sieg auf Sieg und ruhte nicht eher, als bis er ganz oben auf der Erfolgsleiter angekommen war. Aber das ist eine ganz eigene Geschichte, eine Geschichte die es verdient näher beleuchtet zu werden:
Es ist die Erfolgsgeschichte unseres Clubkameraden Walter Schneider.

1950 debütierte der gelernte Autoschlosser beim Kieler Hafenkursrennen als namenloser Ausweisfahrer auf einer Norton in der Gespannklasse. Auf Anhieb wurde der Siegerländer zweiter und war von da an nicht mehr aufzuhalten.

Bereits in seiner fünften Saison gelang der internationale Durchbruch. Nachdem er 1953 vierter der DM gewesen war, gelang ihm die gleiche Platzierung ein Jahr darauf bereits in der Weltmeisterschaft. Walter Schneider war bester Privatfahrer und wurde prompt von BMW für diese Leistung mit einem Werksvertrag belohnt.

Im März 1955 erzielte das BMW- Werksfahrertrio Walter Schneider, Wilhelm Noll und Fritz Hillebrandt auf dem Motodrom Monthlery vor den Toren von Paris binnen 24 Stunden 57 Geschwindigkeits-Weltrekorde mit einer serienmäßigen 500er BMW RS. Einige dieser Rekorde haben noch heute Bestand.

Wenige Wochen darauf gelang dem BMW-Piloten eine Sensation. Zum ersten Mal in der 30jährigen Geschichte der Tourist-Trophy der Isle of Man gewann kein Brite das schwerste Straßenrennen der Welt:

Walter Schneider und sein Nürnberger „Schmiermaxe“ Hans Strauß fuhren den Engländern „um die Ohren“, siegten souverän und erhielten obendrein den Sonderpokal für den besten Fahrer der gesamten „Speed-Week“.

Insgesamt gewannen Schneider/ Strauß viermal auf der Isle of Man. Doch der absolute Höhepunkt in der Karriere des Weidenauers kam noch. Vor 10.000 Zuschauern sicherten sich Schneider und Strauß in einem packenden Regenrennen auf dem Nürburgring die letzten Punkte zum Weltmeistertitel.
Man schrieb den 20.Juni 1958.
Das Siegerland hatte seinen ersten Weltmeister!
Im Januar 1959 verlieh ihm der Bundespräsident Theodor Heuss als erstem Siegerländer Sportler den silbernen Lorbeer- die höchste Sportauszeichnung Deutschlands.
Wie zur Bestätigung legte er noch einen Zahn zu und holte sich auch im Jahr 1959 die Weltmeisterkrone. Auf dem Höhepunkt des Erfolges traten die Doppelweltmeister Schneider/Strauß im Herbst 1959 vom aktiven Rennsport zurück.

Offensichtlich spürte jedoch Walter Schneider auch weiterhin das Feuer in sich, das große Kämpfer ausmacht.

Auf vier Rädern kehrte er zum Motorsport zurück und wurde nach kurzer Anlaufzeit 1961 auf einem BMW Deutscher Automobil-Rundstrecken-Meister. Auch auf vier Rädern war er, der inzwishenlängst den Grundstein zu seinem beruflichen Lebenswerk gelegt hatte, ein schneller Mann.

Am 14.Juni 1964 jedoch sagte er dem Rennsport endgültig ade.
In Führung zur Europa-Tourenwagen-Meisterschaft liegend, verunglückte er mit einem BMW 2000 tilux beim Bergrennen am französischen Mont – Ventoux schwer. Das Auto stürzte in eine 200 Meter tiefe Schlucht- Walter Schneider überlebte wie durch ein Wunder. Das Zeichen war erkannt- Walter Schneider war fortan nur noch erfolgreicher Unternehmer, der aber dem Motorsport immer eng verbunden blieb und den MSC in vielfältiger Weise- besonders in der Jugendarbeit unterstützt.

Auf der 50. Jahrfeier, am 6. Juni 1998, wurde Walter Schneider zum Ehrenmitglied des MSC Siegerland ernannt.

Die 60er Jahre begannen für den MSC und die Aktiven mit großen Zielen. Während Klaus Hagelauer und Gerd Weisgerber in diesen Jahren den Club führten, entwickelte sich die Szene im Automobilsport rasend schnell. Mit den Brüdern Heinz und Karl Starke, sowie mit Erich Bode hatte der Club gleich drei Formelwagen-Fahrer in seinen Reihen. Die Siege der Mercedes Silberpfeile in den 50ern waren noch nicht vergessen und die Erfolge des rheinischen Grafen Wolfgang Berghe von Trips im Formel 1 Ferrari entfachten bei Zuschauern und Aktiven Begeisterung – fast so ähnlich, wie die „Schumania“ der Neuzeit.

Die Siegerländer Formel – Junior – Wagen waren Eigenbauten mit simpler Technik unter der Haube, zwar kaum konkurrenzfähig, doch für Plätze im Mittelfeld waren Fahrer und Wagen immer gut.

Heinz und Karl Starke waren dem 500ccm Cooper- Jap, den sie sich vorher geteilt haben entwachsen und verfügten über zwei unterschiedliche Chassis, in denen DKW Zweitakter dengelten.

Erich Bode hatte sich einen italienischen Stanguellini Formel- Junior zugelegt- eine üble Fehlkonstruktion, wie sich leider auf tragische Weise herausstellen sollte. Bei Trainingsfahrten 1961 auf dem Nürburgring kam der Wagen aus ungeklärter Ursache- man vermutet einen Fahrwerksdefekt- von der Fahrbahn ab. Augenzeugen gab es nicht. Helfer konnten Erich Bode nur noch tot bergen, der MSC trauerte erneuert.

Es waren gefährliche Jahre damals- nicht nur im Motorsport. Heute selbstverständliche Sicherheitseinrichtungen waren im Straßen- und im Rennauto noch unbekannt.

Dem Tod von Erich Bode folgte im Jahr darauf der nächste Schicksalsschlag. Mit Heinz Starke, dem jüngeren der beiden rennfahrenden Brüder verlor der MSC Siegerland seinen zweiten aktiven Fahrer bei einem Rennunfall.

Mit einem vom Österreicher Jochen Rindt gekauften Cooper- Formel 3 verunglückte heinz Starke bei Nationenpreis im belgischen Mettet, als er versuchte die Führung im Rennen zu übernehmen. Der ehrgeizige Fahrer, der seine Karriere im Rallysport begann, hatte keine Chance.

Karl Starke blieb dem Rennsport trotz des tragischen Geschehens treu. Er fuhr stets aus Freude am Wettbewerb und hatte nicht den unbedingten Siegeswillen wie viele seiner Konkurrenten. Er knüpfte Freundschaften zu vielen Fahrerkollegen- stellvertretend seien hier Gerhard Mitter und Kurt Ahrens gennant.

Aber auch mit den ganz Großen des Motorsports war der aus dem Sudetenland stammende Karl Starke per du. Unzählige Rennen bestritt er gemeinsam mit Jim Clark, Graham Hill, Mike Spence und wie sie alle heißen…..

Stationen seines Weges waren der Nürburgring, der Hockenheimring, Monza, Zolder, die Solitude und immer wieder die ostdeutschen Rennstrecken, wie das Schleizer Dreieck und der Sachsenring. Als die Grenze eigentlich längst „dicht“ war, bestritt Karl Starke immer wieder Rennen in Ostdeutschland.

Wie der dort sehr gerne gesehene Gast es geschafft hat, immer wieder mitsamt Rennwagen die innerdeutsche Grenze zu passieren, ist auch den Zeitzeugen immer noch rätselhaft. Aber Karl Starke war immer schon ein Diplomat und hervorragender Botschafter des Motorsports.

Obwohl er im Alter von fast sechzig Jahren mit Lola- und Brabhamfahrzeugen immer noch Formel 2 und Formel 3-Rennen fuhr, kümmerte er sich auch stets um die Belange des Clubs und ganz besonders der Landesgruppe Westfalen-Süd, der er seit 1969 bis zu seinem Tode vorstand. Überliefert sind vom Sportsmann Karl Starke unzählige Anekdoten und Geschichten rund um den Motorsport. Eine davon will ich hier nicht verschweigen:
Als einmal in Hockenheim sein Renner Probleme machte und partout nicht laufen wollte, drohte ein unfreiwilliger Startverzicht, weil die technische Abnahme vor jedem Start absolviert werden musste. Und da die Herren Kommissare Feierabend zu machen gedachten, schnappte sich Karl kurzerhand die Motorhaube seines Formel- Junior und machte sich damit auf ins Zelt der gestrengen Techniker. Keiner weiß wieso, nach kurzem Pallaver prangte auf der draufklebenden Startnummer jedenfalls der Stempel der technischen Abnahme. Karl Starke reparierte in Seelenruhe sein Auto und hatte den ersten Sieg schon vor dem Rennen errungen.

Außer den erwähnten Leuten verfügte der MSC über eine breite Basis von hervorragenden Tourenwagenfahrern. „Bubi“ Weisgerber und Bernhard Grab stachen mit ihren Erfolgen hervor. Gemeinsam siegten die beiden bei 6- und 12- Stundenrennen auf dem Nürburgring. Mit einem Volvo PV544 und einem Ford 17M TS- es handelte sich um den berühmten Typ „Badewanne“- wurden die Erfolge erzielt, die im Vizetitel in der DTM 1961 gipfelten.

Zu nennen sind aber auch Friedrich Wilhelm Eckardt, Frieder Bode, Herbert Wildraut, Dieter Krebs, Uli Krengel, Wilfried Güllert, Peter Homolla, Rudi Kreutz und viele viele andere, die Berg- und Rundstreckenrennen, Zuverlässigkeitsfahrten, Sternfahrten, Rallyes, Orientierungsfahrten und Wertungsprüfungsfahrten bestritten. Glas 1204 TS und GT, Simca, NSU Prinz, Fiat, Opel Kadett, BMW, Alfa, Porsche, Borgward und und und….zu viele Marken gab es, um hier alle lückenlos aufzuzählen.

Einige Schauplätze von damals werden nur den älteren unter euch noch ein Begriff sein, so die Solitude, der Schauinsland und der Wegberger Grenzlandring. Andere, wie der Nürburgring und der Hockenheimring existieren, wenn auch in anderer Form, noch heute.

Beliebt bei der Basis der Motorsportler waren die Siegerland- und Sauerlandfahrten, die mit örtlicher Genehmigung gefahren wurden. Aus dieser Zeit datieren auch die Anfänge der Siegerländer Burgenfahrt und die Automobilslaloms.

Und der MSC hatte nach Walter Schneider in den 60ern einen weiteren Weltklassefahrer bei den Seitenwagenrennen. Der Gosenbacher Siegfried Schauzu bestritt auf Adler bis 1963 Grasbahnrennen gemeinsam mit dem Zeppenfelder Erich Schütz. Das Duo gewann in drei Klassen, 250/350 und 500ccm an die 25 mal die Hessenmeisterschaft. Auch Horst Espeter mit einer Solo-BSA war zu dieser Zeit erfolgreich mit von der Partie.

Siggi Schauzu wechselte 1963 auf die Straße und fuhr gemeinsam mit dem Siegener Horst Schneider auf BMW mit Erfolg die Juniorenmeisterschaft. 1965 stieg das Duo mit einem Paukenschlag in die Weltmeisterschaft ein. Auf Anhieb gelang ein zweiter Platz beim ersten Rennen. Die ersten GP siege folgten alsbald. Und dazu begann Schauzu/Schneiders beispielhafte Siegesserie bei der Tourist-Trophy auf der Isle of Man, wo das Gespannteam viermal siegte.

Erneut Dr. Günther Reimpell und ab 1973 Herbert Wildraut führten den Club in die 70er Jahre.

1970 richtete der MSC Siegerland erstmals die „Siegener Prüfungsfahrt“ auf dem Nürburgring aus. Viele Helfer waren ehrenamtlich im Einsatz- mehr als 50 Teams starteten in der „Grünen Hölle“, wie der Eifelkurs in Fahrerkreisen ehrfurchtsvoll genannt wird.

In den Akten des MSC fand sich neben den Ergebnislisten ein interessanter Beleg: Eine Rechnung der Nürburgring GmbH über die Streckenmiete. Dort hieß es: Absperrung der Nürburgring Nordschleife DM 190,– pro Stunde!! Fürwahr aus heutiger Sicht ein Taschengeld… damals jedoch ein ordentlicher Batzen Geld.

Während Karl Starke seine letzten Formel- Rennen in den 70er Jahren bestritt, griffen mit Werner Golla und Willi Fuhr zwei neue Fahrer mit Formel V-Rennern ins Geschehen ein. Diese winzigen Monoposti mit VW-Käfer-Motoren waren gemeinsam mit der Formel Ford die Vorläufer aller heutigen Marken-Formeln. Die Tourenwagen-Fraktion hatte sich nocheinmal verstärkt. Roland Starke, Rudi Schmidt, Harald Kämpf und Karl-Heinz Messerschmidt waren als schnelle Truppe mit hubraumkleinen Fiats und Fiat Abarths auf so mancher Berg- und Rundstrecke anzutreffen.

Rudi Jung war einer der herausragenden Fahrer in den regionalen Automobilslalom-Meisterschaften.

Die Nürburgring-Prüfungsfahrten wurden ebenso zu festen Einrichtung im Kalender wie der Fahrerlehrgang, den der MSC in Zolder ausrichtete. Dieter Klotzeck, Uli Krengel, Joachim und Karl-Adolf Utsch, Hermann Brück, Heiner Feldmann, Reinhard Wolff, Peter Ascherfeld, Klaus Hagelauer, Rolf Luzietti, Rudi Jung, Reiner Denz, Bod Kositzke und „Eckhards Fritz“ zählten noch zu den Fahrern, die unter der „Flagge“ des MSC Siegerland starteten. Nationale und Internationale Veranstaltungen waren das Betätigungsfeld. Ob Dieter Klotzecks und Roland Starkes Einsatz beim 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring 1971 mit dem Opel Manta der Firma Martin Hoppmann, der Große Preis der Tourenwagen 1973 mit Rudi Schmidt und Roland Starke auf einem Ford Capri oder die Einsätze in der Deutschen Rundstreckenmeisterschaft Anfang der 70er von F.W. Eckhard auf Glas und Alfa Romeo.

Auch Uli Schneider startete gemeinsam mit „Henner“ Hirth bei den großen Tourenwagenrennen dieser Zeit.

Peter Homolla und Wilfried Güllert verschrieben sich den zweisitzigen Rennsportwagen und bestritten auf Lotus und Chevron vorwiegend Bergrennen. Zwei Brüder aus Netphen, Hans Georg und Eckhard Scharf nehmen mit einem Renault R4 (!) erfolgreich an Orientierungsfahrten teil. Für die größten Erfolge sorgte wieder einmal ein Fahrer, dessen Renngerät nur über drei Räder verfügte. Siggi Schauzu wurde 1971 Vizeweltmeister der Gespanne gemeinsam mit dem Nürnberger Wolfgang Kalauch. Das gesamte Jahrzehnt hindurch hielt sich Siggi, der mehr als 100 GP bestritt, in der Weltspitze und wurde noch einige Male WM-Dritter. Insgesamt holte er neun GP-Siege und gewann ebenso oft die legendäre Tourist-Trophy. Zurecht wurde der Siegerländer in diesen Jahren der König der Isle of Man genannt. 1972 wurde Siegfried Schauzu vom Bundespräsidenten das silberne Lorbeerblatt verliehen.

Ein tragisches Ereignis aus dieser Epoche sei an dieser Stelle neben allen Erfolgen nicht verschwiegen.

Bei der „Hessen-Rallye“, einem Lauf zur DM, verunglückte das Team Schneider/Ascherfeld mit einem BMW schwer. Während Co-Pilot Peter Ascherfeld mit Verletzungen davon kam, verstarb unsere Clubkamerad Uli Schneider noch an der Unfallstelle.

Als Peter Ascherfeld von seinen Verletzungen genesen war, engagierte er sich mit allen Kräften für die Verbesserung der Sicherheit im Motorsport. In vielen Ausschusssitzungen war er treibende Kraft zur Erhöhung der Sicherheitsstandards an Fahrzeugen und Strecken. Unser Clubkamerad Peter Ascherfeld war bis heute bei unzähligen Veranstaltungen- von nationalen Slaloms über Rallyes bis hin zu internationalen Rundstreckenrennen- Leiter der Streckensicherung und hat so einen großen persönlichen Beitrag zum Erhalt des Motorsports geleistet.

Auch unser immer noch aktiver Motorsportler Dietrich Wöllhardt ist auf diesem Gebiet engagiert. Er fährt häufig den Arzt der Streckensicherheits-Staffel bei seinen Einsätzen, ein wirklich verantwortungsvoller Job, den nur erstklassige Fahrer ausüben dürfen. In diesem Zusammenhang ist auch die Aufgabe unseres ehemaligen Clubkameraden Klaus Steinmetz zu sehen, der nach vielen Stationen rund um den Motorsport heute Sicherheitsbeauftragter der FIA ist – der obersten Instanz des Motorsports mit Sitz in Paris.

Ernst-Dieter Klotzek hatte den Clubvorsitz bis Anfang 1985 inne, es ging mit Vollgas in die 80er Jahre.

Dieses Jahrzehnt war motorsportlich geprägt von einem Wandel in Richtung der nationalen Aktivitäten.

Automobilslaloms und Orientierungsfahrten waren die „Renner“, weil sie keinen so hohen finanziellen Aufwand erforderten, wie der „große Motorsport“.

Trotzdem gab es, wenn auch vereinzelt, großartige Erfolge auf höherer Ebene zu vermelden. So erzielte Ernst-Dieter Klotzek gemeinsam mit Horst-Günter Benecke auf einem Autobianchi den Sieg in der1150er Klasse beim internationalen 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Und der Dirlenbacher Willi Rücker startete eine Erfolgreiche Karriere mit einem höllisch schnellen Audi 50 bei Bergrennen, die ihm viele Klassensiege einbrachten. Auf den internationalen Slalompisten war Horst Klingelhöfer unterwegs. Mit einem heißen Gruppe 2 VW Käfer und mit Renault Alpine – jeder Motorsportfan erinnert sich bestimmt noch an die blauen Flundern aus Dieppe – war der „Dreisber“ erfolgreich. Eingesetzt und vorbereitet wurden die Renn GTs von Georg Dehne, dem Initiator des „Alpine-Dehne-Hettlage-Racing-Teams“, ein früher und erfolgreicher Versuch den Motorsport etwas professioneller anzupacken.

Hans-Henning Siebel begann Ende der 80er Jahre die Rennerei mit historischen Formelwagen.
Dieter Werthenbach und Rolf Helmke fuhren Rallyes mit einem Escort und waren stets ein Garant für spektakuläre Auftritte auf den Sonderprüfungen.

Ganz dem Orientierungssport hatten sich dagegen Karl-Heinz Steinberg und Bernd Winchenbach verschrieben. Es war ein wahres „Dream-Team“ und die Liste ihrer Erfolge ist lang. Gemeinsam wurden sie 1980, 1987, 1988 und 1989 Siegerlandmeister im Orientierungssport, eine Kategorie, die in dieser Zeit wirklich erstklassig besetzt und hart umkämpft war. Acht mal Holten Steinberg/Winchenbach den Titel in der Landesgruppe Westfalen-Süd – einige Vizemeisterschaften fallen da schon nicht mehr groß ins Gewicht. Abgerundet werden die Ori-Erfolge dadurch, dass Heinz Heere einmal den Titel des besten Nachwuchsfahrers für den MSC holte.

Aber auch die Slalomfahrer konnten eine großartige Erfolgsbilanz vorweisen. Rudi Jung und Eckhard Scharf, Gerhard Achenbach, Andreas Müller, Rolf Helmke, Dietmar Knuth, „Yogi“ Gerhard und viele andere eroberten mehr als 100 Klassensiege in diesen Jahren. Gefahren wurde mit Audi 50, Ford Escort, Mini Cooper, Lotus Elan, Opel Kadett, VW Käfer – eigentlich mit allem was Räder hatte. Für das i-Tüpfelchen sorgte Dietrich Wöllhardt. Mit seinem Audi 50 wurde er in den Jahren 1982 und 1984 Siegerlandmeister. 1983 holte übrigens unser ehemaliges Mitglied Roland Starke auf einem Ford Fiesta den Titel.
Aber die 80er Jahre erlebten, neben den etablierten Motorsportarten den Durchbruch einer in Europa neuen Kategorie- dem Kartsport.

Wenn auch die Anfänge viel weiter zurückliegen- das Go-Kart wurde in Amerika der späten 50er Jahre erfunden- ging es jetzt Mitte der 80er bei uns so richtig los.

Lange vorher, und das wissen nur wenige, hatten sich aber zwei MSCler schon als Trendsetter betätigt. Siegfried Schauzu und Bodo Kositzcke nahmen schon in den 60er und 70er Jahren sporadisch an Kart-Rennen teil, gehörten also zu den Pionieren dieser Sportart in Europa.

Die Macher des MSC, allen voran Ernst-Dieter Klotzek und Rolf Luizietti, sowie die von der neuen Idee ebenfalls begeisterten Herbert Wildraut, Fritz Wagener und Gerd Weisgerber hoben eine Jugendkartgruppe aus der Taufe. Kartslalom konnte in den verschiedenen Altersklassen bereits im Alter von zehn Jahren betrieben werden. Unterstützt wurde die Initiative des MSC von Anbeginn an von vielen heimischen Unternehmen, die ihre Gelände für Training und Wettbewerbe zur Verfügung stellten, sowie unzählige Sachpreise und Pokale stifteten. Hervorzuheben sind die Firmen Wildraut, Opel Hoppmann, Ford Grab, VAG Walter Schneider, VAG Gebrüder Krengel, Messer, Rostfrei Stahl, sowie die AWO Behindertenwerkstätten.

Die Früchte der Nachwuchsarbeit konnte man nach schwierigen Anfängen- die Anschaffung eines Slalomkarts mit 5,5 PS Motor verschlang immerhin die Summe von DM 4.000,- –
bald geerntet werden.

Die Kinder und Jugendlichen fuhren bei den Kartslaloms um die NRW und Deutsche Meisterschaft unter der Trägerschaft des DMV von Erfolg zu Erfolg. Die Jugendgruppe bestand schon damals aus zehn bis fünfzehn Aktiven. Aber auch im Rennkart machten MSCler von sich reden. Dirk und Jens Wildraut fuhren auf nationaler Ebene ganz vorne mit. Dirk, der Ältere der beiden Brüder wurde 1986 Vize im Blaupunkt-Pokal und wiederholte diesen Erfolg im Jahr darauf in der DM der 100er CS-Klasse. Jens wurde bereits 1986 Deutscher Meister der Klasse „intercontinental/100“ und gewann im Jahr darauf den international ausgeschriebenen „Goldpokal“ in der gleichen Kategorie.

Auf dem Weg in die 90er Jahre führte Eckhard Scharf, der seit 1985 Vorsitzender war, den Verein. Gleich 1990 gab es einen weiteren großen Erfolg zu melden. Roland Herget wurde mit seinem VW Golf Siegerlandmeister im Automobilslalom. Er holte außerdem zweimal den Titel in der DMV-Automobilsport-Meisterschaft. Neue Namen tauchten im Slalomsport auf. Andreas Völke und Dirk Hütwohl sorgten mit vielen Klassen- und Gesamtsiegen auf Opel Kadett für Furore.

Karl-Heinz Steinberg und Bernd Winchenbach retteten ihre Form auch über den Wechsel des Jahrzehnts hinaus und wurden 1990 und 1991 noch zweimal Vize in der Siegerlandmeisterschaft.

Rudi Kreutz- Nachfolger von Eckhard Scharf bis ins Jahr 2000- und sein Co-Pilot Gerd Schirmer hielten danach die Fahnen des MSC im Ori – Sport hoch. 1992 gewannen die beiden den Westerwald – Ori – Pokal ,1994 kam es mit dem Gewinn der Westdeutschen Orientierungsmeisterschaft noch besser.

Im Formelsport war der MSC Siegerland durch Horst Klingelhöfer und Walter Buch vertreten, die für ihre Einsätze auf Berg- und Rundstrecken Formel Ford 2000 vorbereitet hatten. Im historischen Rennsport sorgte neben Lotus-Fahrer Hans-Henning Siebel auch Dietrich Wöllhardt für Aufsehen. Seit 1994 ist er mit einem Barney Formel Ford des Baujahres 1971 dabei. Mit dem Sieg in der „German-Open“ für historische Formelwagen 1996, sowie der Titelverteidigung 1997 und dem Gewinn des Graf-Berghe-von-Trips-Pokals 1997 zeigte er eindrucksvoll sein Können.

Klaus Hagelauer ist ebenfalls seit langer Zeit im historischen Motorsport dabei. Liebstes Betätigungsfeld sind Sternfahrten und Rallyes mit seinen automobilen Kostbarkeiten. 1998 holten Klaus und Marianne Hagelauer mit ihrem Mercedes Benz Cabriolet Typ Stuttgart des Baujahres 1930 einen Klassensieg bei der ADAC – Oldtimerfahrt Hessen – Thüringen und erreichten unter 150 Konkurrenten den vierten Gesamtplatz.

Der MSC Siegerland richtete natürlich auch in den 90ern eigene Veranstaltungen aus. Zu den Orientierungsfahrten und Clubslaloms kamen die Kart-Slaloms mit SM, NRW-, und DM- Prädikat dazu.

Die Mitglieder der Jugendgruppe eilten weiterhin von Erfolg zu Erfolg. Höhepunkte neben den unzähligen Titelgewinnen in der Jugendkart-Siegerlandmeisterschaft waren auch verschiedene Meistertitel in der Einzelwertung durch Hanjo und Björn Wagener, Björn Schmitz, Hendrik und Vanessa Scharf, Fabian Barth und Michael Klein, sowie Meisterschafts- Ehren in der Club- und Mannschaftswertung.

Hendrik Scharf wurde 1993 Deutscher Meister und vertrat nach seinem Titelgewinn die Farben des MSC Siegerlands bei einer Game-Show mit Linda De Mol sogar im Fernsehen.

Im Jahr darauf schaffte seine Schwester Vanessa das Kunststück, den DM- Titel erneut in die Familie Scharf zu holen. Als Belohnung winkten ihr nicht nur Einladungen zur Keke-Rosberg-Racing-Show, eine Testfahrt im Formel-Ford-Rennwagen gab es obendrein. Im gleichen Jahr wurde der MSC in der Club-Wertung Deutscher Meister, in der Mannschaftswertung reichte es zu Platz Zwei. Nicht Vergessen werden darf aber auch die Geselligkeit, die besonders in der Kart-Gruppe mit vielen aktiv mithelfenden Eltern immer gepflegt wurde. Das einwöchige Zeltlager an der Kartpiste von Oppenrod ist heute schon eine lieb gewordene Tradition.

Einige aus der Kartgruppe sind mittlerweile im Motorsport ausgestiegen. Sven Krege, Björn Wagener und Jost Stahl fahren und fuhren erfolgreich Automobilslalom, Hanjo Wagener war sogar bei Rennen im Langstreckenpokal auf dem Nürburgring dabei.

Auf der Rundstrecke ging es mit dem Kartsport ebenso erfolgreich weiter. Dirk Wildraut gewann 1990 den Dino-Kart-Pokal der 125er Klasse weiter und wurde 1991 DMV-Landesmeister. 1992 und 1993 konzentrierte er sich nicht mehr auf Titelgewinne – trotzdem folgte noch so mancher Erfolg bei ausgewählten Rennen.

Bruder Jens ging die Sache etwas ernsthafter an: 1991 Deutscher Meister der 125er Getriebekartklasse und im Jahr darauf Landesmeister der gleichen Kategorie. Seinen DM- Titel wiederholte er in den Jahren 1992, 1995 und schloss 1996 noch eine Vizemeisterschaft an.

In den Jahren 1992 und 1993 schnupperte der Eiserfelder dann sogar in die Europa- und Weltmeisterschaftsrennen hinein. Sein größter Erfolg war der sechste EM- rang in Polen.

Neben den etablierten Kart – Piloten stieg 1994 Bianca Winchenbach nach großen Erfolgen im Slalomkart ins Rennkart um. 1995 und 1996 gewann die schnelle junge Dame aus Eisern die Landesmeisterschaft Nord bei den I/CA- Junioren und Ditte der Bundesmeisterschaft. Gute Platzierungen im ONS-Junioren-Pokal und ein zweiter Platz im DMV-Junioren-Pokal folgten.

Bis hierher bedankt sich der MSC Siegerland bei Klaus Klein, der diesen Text in Form einer Rede – daher ist er nicht zu 100% übernommen, sondern hier und da leicht abgeändert – zum 50jährigen Bestehen des MSC im Jahr 1998 formuliert hat. Er hat alles mit Hilfe einiger Clubkameraden und Zeitzeugen recherchiert und niedergeschrieben. Ab hier bemüht sich nun Sebastian Soose mit Hilfe einiger Clubkameraden und Zeitzeugen die Jahre 1998 bis 2004 zu dokumentieren.

Bilder aller Epochen findet ihr in der Bildergalerie unserer Homepage.